Bürgschaften einmal anders – stille Avalierung

Verlangt ein Geschäftspartner (Bürgschaftsempfänger) eine Bürgschaft bzw. Kaution zur Absicherung von Forderungen, dann geht der Schuldner in der Regel zu seiner Bank (Bankbürgschaft) oder schließt eine Kautionsversicherung ab.

Neben den oft hohen Hürden, wie Bonitätsindex und/oder der Stellung von Sicherheiten, fallen hierfür relativ hohe Kosten an. Beim Bürgschaftsempfänger, je nach Anzahl der Geschäftspartner (Schuldner), entsteht regelmäßiger Verwaltungsaufwand.

Für einige Branchen besteht die Möglichkeit der stillen Avalierung

Ein Beispiel anhand einer Mineralölgesellschaft verdeutlicht die Vorteile der stillen Avalierung von Mineralölbürgschaften für alle Partner:

Kurz zusammengefasst – es geht um die Absicherung der Forderungen gegenüber den Pächtern / Agenturen mit nur einer einzigen Urkunde.

Bisher stellt sich die Geschäftsbeziehung im Bürgschaftsdreieck wie folgt dar

Mineralölbürgschaft

Dieses Dreiecksverhältnis kann aufgelöst werden. Konkret: mit dem einzelnen Pächter / der Agentur (Schuldner) wird kein Bürgschaftsvertrag (Bank oder Kreditversicherung) mehr geschlossen.

Und das funktioniert wie folgt

Der Bürgschaftsempfänger bestimmt einen sog. Höchsthaftungsrahmen, also die Summe (+ Puffer), welche als Worst Case Szenario im Haus vorstellbar ist. Zusätzlich wird eine Maximalsumme je Inanspruchnahme (Einzellimit) festgelegt.

Beispiel:

Mal angenommen, die Mineralölgesellschaft hat aktuell 50 Tankstellen unter Vertrag. Jeder Pächter bzw. Agenturinhaber hat 50.000 EUR Bürgschaft gestellt (egal in welcher Form).

Das Unternehmen verfügt demzufolge über 2.500.000 EUR hinterlegter Sicherheiten – 50 verschiedene Bankbürgschaften, Festgelder, Sparbücher, Kautionspolicen, usw. …

Nun ist es ja recht unwahrscheinlich, dass alle Pächter / Agenturen gemeinsam Insolvenz anmelden, oder das Unternehmen über den Gesamtbestand die Sicherheiten in Anspruch nehmen wird.

Mit einer einzigen Höchstbetragsbürgschafturkunde, welche alle Pächter / Agenturen einschließt, (bis 50.000 EUR je Inanspruchnahme Einzellimit und einem Gesamtvolumen von 1.250.000 EUR) wäre die Mineralölgesellschaft, selbst im Falle von 25 Insolvenzen, immer noch abgesichert.

UND – es entfällt jeglicher Verwaltungsaufwand einzelner Bürgschaftsurkunden. Zu- und Abgänge, Pächter / Agenturen werden monatlich gemeldet und in die jeweils aktuellste Urkunde (ggf. auch in digitaler Form darstellbar) aufgenommen – das gilt übrigens auch für Neupächter.

Die Besonderheit hierbei

Versicherungsnehmer (Mineralölgesellschaft) = Prämienschuldner = Leistungsempfänger

Verschiedene Branchen haben für ihre Vertragspartner ein Umlageverfahren entwickelt, so dass jeder Schuldner seinen Anteil zahlt.

Und das rechnet sich:

Neben der Einsparung im Bereich Verwaltungsaufwand, lassen sich Avalgebühren sehr deutlich reduzieren.

Bei einer angenommenen Avalgebühr von 3% und 2,5 Mio. EUR Bürgschaftsvolumen zahlen in unserem Beispiel der Mineralölgesellschaft die Pächter / Agenturen in Summe derzeit 75.000 EUR pro Jahr für Avalgebühren an Banken und Versicherungen.

Vereinbart die Mineralölgesellschaft beispielsweise eine Höchsthaftungssumme von 1,25 Mio. EUR und veranschlagen wir wiederum die 3% Avalgebühren, zahlen die Schuldner (Pächter) zusammen nur noch die Hälfte.

Interessanter Nebeneffekt

Über die Hausbank oder andere Kreditgeber müssen die Pächter / Agenturen keine Avalkredite mehr in Anspruch nehmen. Bereits hinterlegte Sicherheiten werden wieder frei. Pächter / Agenturen verfügen über mehr Liquidität!

Für detaillierte Informationen stehen wir wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sie erreichen uns über unser Kontaktformular, oder gerne auch telefonisch: 0 9191 – 979561

Private Krankenversicherung – wenige Beschwerden beim Ombudsmann

Der Ombudsmann der Privaten Krankenversicherung ist eine wichtige Anlaufstelle, wenn sich private Krankenversicherte über ihren Versicherer ärgern. Die Schlichtungsstelle kann schnell und unbürokratisch prüfen, ob die Ansprüche eines Versicherungsnehmers berechtigt sind. Aber es gibt auch Grenzen im Schlichtungsverfahren, wie der jüngst vorgestellte Jahresbericht für 2016 zeigt.

Ärger mit der Privaten Krankenversicherung? Dann können sich Privatversicherte an Heinz Lanfermann wenden, den Ombudsmann für die PKV mit Sitz in Berlin. Die Schlichtungsstelle prüft die Ansprüche des Antragstellers und versucht, eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. Das hat mehrere Vorteile: Das Verfahren kostet nichts und man musste sich nicht durch mehrere Instanzen klagen, falls eine Einigung herbeigeführt werden kann.

Vergleichsweise wenige Beschwerden

Der jüngst vorgestellte „Jahresbericht 2016“ des Ombudsmanns zeigt aber, dass das Beschwerdeaufkommen ohnehin recht gering ist. Zwar scheint die Zahl von 6.084 Beschwerden im Vorjahr zunächst recht hoch. Das relativiert sich aber, wenn man die Zahl ins Verhältnis zu allen PKV-Verträgen setzt. Diese umfassen nämlich nicht nur die Krankenvollversicherung, sondern auch die Zusatz- und Pflegeversicherungen.

Stolze 43 Millionen Verträge haben die Bundesbürger bei allen Krankenversicherern abgeschlossen. Und das bedeutet eine Beschwerdequote von 0,014 Prozent – ein guter Wert, wie auch Lanfermann betont. Es könne „auch für 2016 festgestellt werden, dass eine sehr hohe Zufriedenheit der Kunden mit ihrer privaten Krankenversicherung besteht und das Beschwerdemanagement offensichtlich schon viele Meinungsverschiedenheiten im Sinne der Kunden auflöst“, kommentiert der Jurist.

Wermutstropfen: Nur jede vierte Schlichtung ist erfolgreich

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch. Nur jede vierte Streitschlichtung (25,3 Prozent) konnte 2016 zur Zufriedenheit des Kunden beigelegt werden. Ein Nachteil muss das für Verbraucher aber nicht bedeuten. Sind sie mit dem Schlichtungsspruch unzufrieden, können sie hinterher immer noch den Rechtsweg wählen. Denn die Ansprüche verjähren nicht, wenn jemand das Schlichtungsverfahren beantragt. Es lohnt sich also, erst einmal den Weg der Schlichtung zu gehen!

Warum aber ist in der privaten Krankenversicherung nur jeder vierte Schlichtungsspruch erfolgreich? Hier fällt auf, dass der Ombudsmann für die anderen Versicherungssparten, Günter Hirsch, weit erfolgreicher ist: Er kann 40 Prozent der Streitigkeiten zur Zufriedenheit des Kunden beilegen. Denn in der Versicherungswirtschaft gibt es zwei Schlichtungsstellen: eine für die Private Krankenversicherung und eine für die anderen Versicherungsarten, etwa Hausrat-, Rechtsschutz- oder Unfallversicherung.

Oft komplexe Streitthemen

Dass der PKV-Ombudsmann hier etwas schlechter abschneidet, liegt an den komplexen Fällen in der privaten Krankenversicherung. Jedes fünfte Schlichtungsverfahren betrifft nämlich die Frage der medizinischen Notwendigkeit: Also, ob ein Versicherer tatsächlich für die Behandlung zahlen muss oder nicht. Das muss in der Regel am Einzelfall geklärt werden. Der PKV-Ombudsmann kann zwar durchaus solche Fälle prüfen, etwa, ob der Versicherer Fehler in seiner Begründung der Ablehnung hat. Aber er kann keine Drittgutachten von medizinischen Fachverständigen einholen.

Dennoch: Es lohnt sich zu schauen, ob eine Schlichtung auch ohne Klage vor Gericht möglich ist. Das schont im Zweifel Zeit und Portemonnaie.

Unser ServicePLUS: Als unser Kunde erhalten Sie eine kostenlose Rechtsberatung durch einen Fachanwalt. Auch ohne bestehende Rechtsschutzversicherung!